Medieninfo 8/2008: Resolution zum Umgang mit der modernen Rechten

14.05.2008
Medieninfo 8/2008: Resolution zum Umgang mit der modernen Rechten

Unabhängig davon, dass extrem rechte Gruppen Gewalt ausüben und erst dann das Problem mit diesen Personen in den Fokus der Massenmedien rückt, ist uns bewusst, dass diese als "Rechtsextremismus" bezeichnete Strömung auch in der "Mitte der Gesellschaft" existiert und als "Extremismus der Mitte" bezeichnet werden kann.

Ein erneutes Erstarken dieser menschenverachtenden Ideologie ist insbesondere seit der Wiedervereinigung zu beobachten. Seither sind mehr als 100 Menschen durch Personen mit rechtem Gedankengut getötet worden. Auch ist kein Zurückgehen extrem rechter Gewaltstraftaten zu verzeichnen (laut Verfassungsschutz waren es 2005: 958 und 2006: 1047). Insbesondere die pogromartigen rassistischen Gewaltausbrüche in Rostock-Lichtenhagen zeigten die Verbindung zwischen der extremen Rechten und der Mitte der Gesellschaft.

Heute ist die NPD in zwei Landesparlamenten vertreten und auch mit rechtem Populismus (Partei Rechtstaatlicher Offensive, Bürgerbewegung Pro Köln e.V., CDU-Wahlkampf 2008 durch Roland Koch) sind offenbar Wahlerfolge zu erzielen. Allerdings handelt es sich hierbei nur um die Spitze des völkisch-nationalistischen Eisberges.

Im Bereich der Jugendkulturen etablierten sich in den letzten Jahren militante Gruppen, insbesondere "freie Kameradschaften" (die zum Teil mit der NPD kooperieren) und so genannte "autonome Nationalisten". Diese organisieren in großer Zahl Veranstaltungen für Kinder- und Jugendliche (Straßenfeste, Infoveranstaltungen, Konzerte, etc.) um somit ihren ideologischen Nachwuchs zu sichern.

Wir sind nicht gewillt, diese Entwicklung hinzunehmen oder uns mit dem Bestehen menschenverachtenden Handelns und Denkens abzufinden.

Deshalb werden wir uns über Entwicklungen in diesem Bereich aktiv informieren und uns bilden, um solche Tendenzen, in welchem Gewand sie auch daher kommen mögen, erkennen und ihnen entschieden entgegen treten zu können.

Dabei werden wir diese aktuelle Entwicklung jeglicher rechter Ideologien als solche wahrnehmen und uns mit dieser kontinuierlich auseinandersetzen. Wir nehmen das Thema als Problem ernst, werden frühzeitig und angemessen reagieren und auf keinen Fall eine Verharmlosung zulassen.

Wir werden niemals weder die Geschichte und das unsägliche Leid, das von Deutschland aus aufgrund von Rassismus und Totalitarismus über die Welt und die Menschheit gebracht wurde, noch den Widerstand dagegen vergessen. Dies bedeutet für uns, jeglicher Art von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (u. a. Rassis-mus, Faschismus, Sexismus und Antisemitismus) entgegenzutreten und weiterhin aktiv Widerstand zu leisten. Dieser kann allerdings nicht allein aus der Geschichte heraus begründet werden, denn menschenverachtende Ideologien sind als solche an sich abzulehnen.

Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche ein Gespür und Feingefühl für rechtes Gedankengut bekommen. Menschen mit offenkundig rechtem Gedankengut wollen wir Paroli bieten. Unsere Möglichkeiten liegen vor allem in Aufklärung, Diskussionen und politischer Bildungsarbeit. Hierbei ist es wichtig, die Probleme nicht nur in offensichtlich Rechtem, sondern auch in alltäglichen, harmlos scheinenden Dingen, wie rassistischen Witzen oder sexistischen Anspielungen im Alltag, die eben nicht nur von Rechten, sondern von allen Menschen geäußert werden können, zu sehen.

Denn niemandem kann und darf aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Religion, Geschlecht oder Abstammung eine oder mehrere Charaktereigenschaften zugeordnet werden, da dies nicht in Beziehung zueinander steht.

Wir treten als Jugendwerk der AWO ein für eine Gesellschaft, die auf Chancen- und Rechtsgleichheit aller Menschen basiert und weder Ausbeutung noch Diskriminierung zulässt. Dem rechten Gedankengut setzten wir eine Gesellschaft der Solidarität entgegen.

Wir tun dies auf verschiedenen Ebenen und in den verschiedensten Formen. Wir diskutieren innerhalb des Verbandes über vorhandene menschenverachtende Einstellungen, wir bilden und klären auf.

Weiterführend zu der bereits damit stattfindenden Auseinandersetzung werden wir uns diesem Thema verstärkt zuwenden und gemeinsam Strategien und Aktionen erarbeiten und umsetzen.