Medieninfo 1/2008: Wider die Koch’sche Brandstiftung

23.01.2008



1. Rassistische Kampagne der CDU und der Bild-Zeitung


Alle Jahre wieder und besonders in Wahlkampfzeiten scheint es in Deutschland notwendig zu sein, soziale Probleme zu ethnisieren. Insbesondere Jugendgewalt und Jugendkriminalität werden pauschal als "Ausländerkriminalität" skandalisiert. Der jüngste Versuch der CDU und insbesondere des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, flankiert und unterstützt von der Bild-Zeitung, rassistische Stereotypen für den Wahlkampf zu mobilisieren, ist aufs Schärfste abzulehnen! Während auf der einen Seite die soziale Infrastruktur, insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit massiv abgebaut wird, wird auf der anderen Seite eine angeblich "verfehlte Multikultigesellschaft" an den Pranger gestellt. Eine so genannte "deutsche Leitkultur" soll der Maßstab der Gesellschaft sein. Die Unterordnung in diese fabulöse "deutsche Leitkultur" fordert da, wo es um den gemeinsamen Aufbau einer vernünftigen und gerechten Gesellschaft geht, von den Menschen eine eigene "Integrations-Anstrengung" in das Bestehende. Nicht Menschen mit Migrationshintergrund, sondern der Begriff der "Leitkultur" gehört sofort abgeschoben! Die Kampagne der CDU und der Bild versucht darüber hinaus, kurzfristige autoritäre Erziehungsideale der 50er Jahre gegen die emanzipatorischen, integrativen und langfristigen pädagogischen Initiativen ins Feld zu führen. Auch dieses ist in aller Form zurückzuweisen.

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2. Die Brutalisierung der Verhältnisse und des Verhaltens


Zwar gibt es weder eine steigende Jugendkriminalität, noch ist diese an kultureller, ethnischer oder nationaler Herkunft festzumachen, jedoch erleben wir mehr und mehr eine brutalisierte Konsumkultur, in der das Gesetz des Stärkeren gilt. Die Konkurrenz des Einzelnen gegen alle anderen, gepaart mit Perspektivlosigkeit, Mittellosigkeit, Männlichkeitswahn und der Bedeutung von Statussymbolen, ist eine explosive Mischung. Diese Mischung entsteht aber nicht in der Türkei oder einem anderen Herkunftsland, sie ist Teil der in Deutschland entstehenden Sozialisation. In einem Land, in dem es Aggressionstrainings für Manager und Antiaggressionstrainings für Jugendliche aus prekären Verhältnissen gibt, scheint es einen ungeklärten Umgang mit Gewalt und Macht zu geben.

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3. Das Jugendwerk der AWO lehnt jegliche rassistische und regressive Thematisierung von Jugendgewalt ab!

Wir setzen dialogische Pädagogik und den Ausbau der sozialpolitischen Infrastruktur gegen autoritäre "Zahn-um-Zahn"-Mentalität und Sozialabbau! Wir setzen Emanzipation und Solidarität als pädagogischen Gegenentwurf zur Ökonomisierung und Vereinzelung, die zur Brutalisierung der Verhältnisse und des Verhaltens führen.

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Download der Medieninfo 1/2008

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