Daheim im gleichen Land

23.10.2008: Interkulturelle Freizeit des Bezirksjugendwerkes Unterfranken


Wir leben im gleichen Land, doch oft in einer anderen Welt.

Ausgangspunkt für das Projekt "Interkulturelle Freizeit - Daheim im gleichen Land" des Bezirksjugendwerkes Unterfranken war die Tatsache, dass die Herkunft der TeilnehmerInnen auf Freizeiten nicht bzw. zu wenig die multikulturelle Realität unserer Gesellschaft widerspiegelt.

Dem wollten wir mit einem speziellen Angebot entgegentreten, um Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zu eröffnen, gemeinsam mit anderen Kindern eine Ferienfreizeit zu erleben.

Einen wichtigen Grund für die bisherige Nicht-Teilnahme von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sehen wir in der oft prekären finanziellen Lage der betroffenen Familien. Kinder dieser Familien haben kaum eine Chance, spielerisch (und kindgerecht) eine Ferienfreizeit zu erleben, in unserer Gesellschaft "daheim" zu sein. Damit kein Kind aus finanziellen Gründen von der Teilnahme abgehalten wird, war es ein weiteres Ziel des Projektes, die Freizeit möglichst kostengünstig anzubieten, was schließlich durch Fördergelder auch ermöglicht werden konnte.

Nach Entstehung der Projektidee gründete sich im Frühjahr 2007 eine Projektgruppe "Interkulturell". Sie leistete Vorüberlegungen und Ideensammlungen für das Projekt sowie Konzeption, Vor- und Nachbereitung des Angebotes. Darüber hinaus konnten sechs ehrenamtliche TeamerInnen gewonnen werden, die selbst zum Teil Migrationshintergrund haben und so verstärkt zielgruppenorientiert arbeiten konnten. Die Freizeit wurde Ende 2007 offiziell ausgeschrieben und fand vom 13. bis 22. Mai 2008 im Pfadfinderheim Sippachsmühle in der Rhön statt. Es nahmen 24 Kinder (die Hälfte mit Migrationshintergrund) im Alter von neun bis zwölf Jahren teil.

Im Rahmen der interkulturellen Freizeit sollte es den Kindern ermöglicht werden, in der spielerischen gemeinsamen Begegnung Unterschiede ihres Heimat und Lebensgefühles in Deutschland zu entdecken und zu verstehen. Eine Freizeit bietet für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund viele freie und spontane Situationen, sich kennen zu lernen und gemeinsame Erfahrungen zu sammeln. Im Rahmen des Projektes sollte Interkulturalität gerade nicht erlernt, sondern durch pädagogisches Engagement angeregt, begleitet und erfahren werden.

Konkret fand all das im Freizeitalltag statt: Beim Kochen, Essen, miteinander Übernachten, bei kreativen und erlebnispädagogischen Angeboten und beim gemeinsamen Spiel. Den inhaltlichen Schwerpunkt der Freizeit legte das Team darauf, mit den Kindern eine "Weltreise" durchzuführen. Zu Beginn erhielten alle TeilnehmerInnen Reisepässe, die sie selbst gestalten durften, und jeden Abend ein "Ticket" für den Besuch des nächsten Landes. Beispielsweise reisten wir zusammen nach Russland, waren in den sibirischen Wäldern unterwegs und bauten gemeinsam Höhlen. Ein weiteres Reiseziel war Afrika, hier bastelten wir Gipsmasken und erzählten uns abends am Lagerfeuer gegenseitig Geschichten über das Land.

Besondere Freude hatten die Kinder beim Erlernen von Tänzen, wie beispielsweise Bauchtanz und Breakdance. Darüber hinaus wurde versucht, gemeinsam mit den Kindern einen Einblick in die Sprache und das Essen der besuchten Länder zu gewinnen. Den TeamerInnen war vor allem der Zusammenhalt in der Gruppe wichtig, neben gemeinsamen Aktivitäten und Angeboten wurden auch Arbeiten im Haus, wie Kochen und Putzen, gemeinsam von der ganzen Gruppe erledigt.

Ziel war es dabei, mit einer individuellen Alternative einem, durch die Erwachsenenwelt geprägten "Wir-unddie- anderen-Gefühl" entgegen zu wirken. Bei allen Inhalten und Angeboten im Rahmen der Freizeit wurde versucht, einen Bezug zu den Themenbereichen "Interkulturelle Vielfalt", "Migration", "Zuwanderung", "Begegnung und Aus- tausch", "Fremdes und Gleiches", "Toleranz und Miteinander" herzustellen.

Ein besonderer Aspekt im Rahmen der Freizeit war das integrierte Filmprojekt, bei dem die Kinder durch das gemeinsame Erarbeiten eines Videofilmes praktische Erfahrungen in der gegenseitigen Begegnung und dem Umgang miteinander machen konnten. Durch das Filmen von Alltagssituationen und Eindrücken war darüber hinaus das Reflektieren des eigenen Handelns und die Sensibilisierung für Toleranz, Offenheit und Wertschätzung ein zentraler Punkt der gemeinsamen Freizeit. Ein derartiges Filmprojekt wurde erstmalig durchgeführt, um Denkanstöße für die Zukunft zu geben und eine Verfestigung des Konzeptes durch Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Unser Projekt möchte einen Beitrag dazu leisten, neues Verständnis entstehen zu lassen und sieht sich nicht allein durch die Freizeitmaßnahme erfüllt. Daher ist eine Weiterführung des Arbeitskreises "Interkulturell" und eine stärkere Fokussierung des Schwerpunktes "Interkulturelle Öffnung" im Interesse des Bezirksjugendwerkes und für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche, mit oder ohne Migrationshintergrund, von großer Bedeutung.

Emine Yenil
Teamerin der interkulturellen Freizeit des Bezirksjugendwerkes Unterfranken

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