Grußwort von Georg Förster an die AWO-Bundeskonferenz

25.11.2008: Die 30. Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt fand vom 21. bis 23.11.08 in Berlin statt.

Grußwort von Georg Förster (Vorsitzender des Bundesjugendwerks der AWO) an die 30. AWO-Bundeskonferenz Berlin, 21.-23.11.08

Liebe Freundinnen und Freunde,

es ist mir persönlich eine Freude, an dieser Konferenz teilnehmen zu können und zudem auch noch hier zu stehen, um euch, den Delegierten und Gästen der AWO Bundeskonferenz, die Grüße eures Jugendwerkes zu überbringen.

Ich stehe hier also als Vertreter des Kinder- und Jugendverbandes, der vor 30 Jahren bundesweit gegründet wurde und sich seitdem innerhalb der Arbeiterwohlfahrt für die Interessen von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Aber warum braucht es eigentlich einen solchen Kinder- und Jugendverband? Kann sich die AWO als solche nicht einfach selbst für die Interessen von Kindern und Jugendlichen einsetzen? Tut sie das nicht ohnehin schon?

Im Antragspaket dieser Bundeskonferenz wird die intensive Beschäftigung mit dem Thema Kinderarmut in der Arbeiterwohlfahrt deutlich. Dass wir dies begrüßen, steht, denke ich, außer Frage, und dass wir als Jugendwerk bereit sind, uns einzubringen, in die Diskussionsprozesse, die in der AWO zu diesem und anderen jugendpolitischen Themen stattfinden, ist in meinen Augen eine Selbstverständlichkeit.

Das Bundesjugendwerk ist in seiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderarmut zu dem Schluss gekommen, dass Kinderarmut ein ohne Zweifel dramatischer Fall von Armut ist, da hier jungen Menschen von vorneherein die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Partizipation genommen wird.

Jedoch sind wir der Meinung: Um Kinderarmut effektiv und nachhaltig zu beseitigen, muss Armut an sich - und nicht nur die von Kindern - beseitigt werden.

Ob das von uns in diesem Zusammenhang durchaus kontrovers diskutierte bedingungslose Grundeinkommen tatsächlich die Lösung des Armuts-Problems darstellt, mag man unterschiedlich beurteilen. Wichtig ist es uns vor allem, dass solche Diskussionen geführt werden, dass grundsätzliche Alternativen zu den bestehenden sozialen Sicherungssystemen in die Diskussion eingebracht werden und dass diese Diskussion nicht mit der völlig unbelegbaren These, es gäbe keine Alternativen, von vorneherein abgeschmettert wird. Daher ergeht unser Appell an die Arbeiterwohlfahrt bezüglich der Entwicklung ihrer Positionen und Konzepte: Bleibt offen für alternative Ideen! Alles, was in dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit und Zusammenhalt sorgen kann, muss auch ernsthaft und offen diskutiert werden!

Aber zurück zu der Frage, warum die AWO ein Jugendwerk braucht: Ich denke, uns alle hier im Saal vereint der Wunsch nach einer demokratischen und emanzipierten Gesellschaft. Emanzipiert nicht nur im Bezug auf Geschlechterrollen, sondern im Sinne einer grundsätzlichen Fähigkeit, eigene Bedürfnisse artikulieren zu können und an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzunehmen. Das kann man lernen! Das kann man aber auch verlernen! Wenn wir beispielsweise einem 14 jährigen pauschal die Fähigkeit absprechen, an einer Wahl teilzunehmen, dann müssen wir uns klar machen, dass ein solches Vorurteil auch Realitäten schafft, indem es Jugendlichen suggeriert, nicht zu politischem Denken und Handeln fähig zu sein. Dem wollen wir als Jugendwerk nicht nur entgegenwirken, indem wir für eine Herabsetzung des Wahlalters auf 14 Jahre eintreten, sondern auch indem wir Kindern und Jugendlichen eine Plattform bieten, innerhalb des Verbandes Demokratie und Mitbestimmung zu erleben und zu leben. Das ist es auch, was uns von den ohne Zweifel sehr guten Angeboten unterscheidet, welche in der AWO für Kinder und Jugendliche bestehen. Das Jugendwerk ist keine Einrichtung FÜR Kinder und Jugendliche, die Kinder und Jugendlichen SIND das Jugendwerk. Die sozialen Dienstleistungen, welche die AWO für Kinder und Jugendliche anbietet, sind wichtig und gut, aber die selbstbestimmte Organisation von Kindern und Jugendlichen in einem Jugendwerk ist eine wichtige Erweiterung dieses Angebots und führt, gekoppelt mit diesem Angebot, zu einer sehr viel versprechenden und erfolgreichen Jugendarbeit unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt. Kindern und Jugendlichen das positive Erlebnis vermitteln die eigene Welt aktiv nach eigenen Bedürfnissen aber auch solidarisch gestalten zu können, dass ist es was wir wollen, und dafür bitten wir um eure Unterstützung!

Ich hoffe, dass diese Idee insbesondere nach den Grundsätzen, die in Magdeburg beschlossen wurden, zu denen auch das Bekenntnis zum Jugendwerk gehört, in der Arbeiterwohlfahrt immer mehr auf Verständnis und auch auf Begeisterung stößt. Dass diese Begeisterung und die damit einhergehende Unterstützung durchaus schon vorhanden ist, hat sich im Laufe des Verbandsentwicklungsprozesses der AWO immer wieder gezeigt, und zeigt sich auch in mehreren Anträgen, welche dieser Konferenz vorliegen. Indem ihr heute Satzung und Mustersatzungen verabschiedet habt, wurden - dafür sei euch gedankt - auch wichtige Veränderungen beschlossen, welche das Jugendwerk betreffen. Im Wesentlichen geht es hierbei um eine klare Regelung der gekoppelten Mitgliedschaft in Jugendwerk und Arbeiterwohlfahrt und um die Beteiligung von Jugendwerken auf allen Ebenen in den Gremien des Mutterverbandes.

Diese Beteiligung ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Jugendwerks und seiner Bedeutung in der AWO. Ich möchte euch, liebe Delegierte der AWO Bundeskonferenz, jedoch auch um folgendes bitten: Die Beteiligung von jungen Menschen in der Arbeiterwohlfahrt kann nicht allein durch Satzungen geregelt werden. Sie muss von euch, gemeinsam mit eure Jugendwerken vor Ort, mit Leben gefüllt und somit Realität werden.

Wilhelm Schmidt hat in diesem Jahr auf der Konferenz des Bundesjugendwerks angeboten, eine Kommission ins Leben zu rufen, bestehend aus Teilen der beiden Bundesvorstände von AWO und Jugendwerk, welche sich mit eben dieser Herausforderung - der Einbindung junger Menschen durch das Jugendwerk in die AWO - beschäftigen soll. Er hat persönlich sein Mitwirken in dieser Kommission angeboten und ich kann dieses Angebot an dieser Stelle im Namen des gesamten Bundesjugendwerksvorstandes zurückgeben. Sofern die Bundeskonferenz den Antrag auf Gründung dieser Kommission beschließt, werden wir uns so gut es uns möglich ist auch in diesen Prozess einbringen und unsere Verantwortung als Teil des Gesamtverbandes Arbeiterwohlfahrt wahrnehmen.

In diesem Sinne wünsche ich euch im Namen eures Kinder- und Jugendverbandes weiterhin eine gute Konferenz, zukunftsweisende Beschlüsse und uns allen auch in Zukunft eine gute Zusammenarbeit.

Medieninfo zur AWO-Bundeskonferenz

Das Bundesjugendwerk der AWO hat auch noch eine Medieninfo zur AWO-Bundeskonferenz veröffentlicht. Diese findet sich hier.

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Download des Grußwortes

Unten findet sich das Grußwort von Georg Förster als Download im PDF- und Word-Format.

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Zugehörige Dateien:
Grußwort von Georg Förster an die AWO-Bundeskonferenz (PDF)Download (44 kb)
Grußwort von Georg Förster an die AWO-Bundeskonferenz (Word)Download (65 kb)
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